Neunundneunzig Prozent
Gefühlte 99% aller Hobbyknipser glauben tatsächlich, dass man nur mit einer Profikamera [von Marketingstrategen entwickelte Begrifflichkeit] gute Fotos machen kann.
Vermutlich 99% aller Profifotografen arbeiten mit einer Ausrüstung, die der o.g. Personenkreis nicht mal mit dem Gesäß anschauen würden; weil zu alt, zu langsam, zu hohes Rauschen, zu geringer Dynamikumfang, Motivklingel fehlt, ...
Tatsächlich jedoch wurden 99% aller bedeutsamen Fotografien mit Kameras gemacht, die zu einer Zeit hersgestellt wurden, als es noch keine Einsteiger-, Amateur-, Semiprofi- und Profiklassen gab. Wie, um des Himmelswillen konnten Henri Cartier-Bresson, Andreas Feininger, Ansel Adams, Helmut Newton, Thomas Ruff, ... mit ihrem analogen Schrott überhaupt brauchbare Ergebnisse abliefern?!
Die genialste Schöpfung der Marketingheinis ist die Profikamera für ungeübte Fotografen. Ist kein Witz - einfach mal die Suchmaschine anwerfen. Liebe ungeübte Fotografen, wenn Bilder sch**ße sind, nutzt die Profikamera überhaupt nix. Da hilft nunmal nur Übung (etwas theoretisch und viel praktisch). Das ist doch Spaß an der Fotografiererei.
Warum die Werbefuzzis anderer Branchen ihre Produkte nicht entsprechend klassifizieren?
Die Waschmaschine der gehobenen Amateurklasse für die ambitionierte Hobbywäscher/-innen!
Die Verkehrsbetriebe von Kleinsiehstenich bieten Umsteigern vom Auto auf den ÖPNV eine spezielle U-Bahn für Fahranfänger an: Gurte, Airbags, ABS, Tagfahrlicht, getönte Scheiben, ...
Damenunterwäsche der absoluten Profiliga - Auweia - ein Schelm, wer Arges dabei denkt!
Das wären doch mal ein (Ver-)Kauf(s)argumente.
Im Bereich der Fotografie liegt der, von der Werbung suggerierte Mehrwert scheinbar lediglich im Ego des Fotografierenden, was wiederum ein Hinweis darauf sein könnte, dass die Fotografiererei immer noch eine Domäne der Herren der Schöpfung ist, die damit ihr stammhirngerechtes Imponiergehabe ausleben können. Anders ausgedrückt; wer sich keinen Porsche leisten kann, kauft sich eine Kameraausrüstung der absoluten Profiklasse und stellt sich in ein Fotografenrudel, in der hautpsächlich mit der Amateurklasse fotografiert wird. Das hebt das (männliche) Selbstbewusstsein.